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Mit der Wärmepumpe kühlen: Wie gut funktioniert das im Sommer?
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Mit der Wärmepumpe kühlen: Wie gut funktioniert das im Sommer?

Über 80 % der neu installierten Wärmepumpen haben eine Kühloption. Was aktive und passive Kühlung unterscheidet, was dein Haus dafür braucht – und wo die Grenzen liegen.

Simply Energy4 Min. Lesezeit

Kurzgesagt: Über 80 % der 2025/26 installierten Wärmepumpen haben eine Kühloption. Passive Kühlung über Erdwärme kostet im Sommer nur 15–30 € Strom, aktive Kühlung für Luft-Wärmepumpen ist teurer, aber in mehr Gebäuden nutzbar. Entscheidend ist das Heizsystem: Fußbodenheizung ist ideal, Heizkörper nur eingeschränkt geeignet.

Heiße Sommer sind in Deutschland keine Ausnahme mehr. Wer sich für eine Wärmepumpe entscheidet, fragt daher zu Recht: Kann das Gerät auch kühlen? Die Antwort ist ein klares Ja – mit einem Aber.

Das Aber betrifft weniger die Wärmepumpe selbst als das, was im Haus verbaut ist. Denn die Kühlfunktion ist nur dann voll nutzbar, wenn die Wärmeabgabeflächen im Haus dafür ausgelegt sind. Das Heizsystem entscheidet, ob Kühlung komfortabel, eingeschränkt oder gar nicht möglich ist.

Wie funktioniert Kühlen mit einer Wärmepumpe?

Im Winter entzieht die Wärmepumpe einer Wärmequelle (Luft, Erdreich, Grundwasser) Energie und gibt sie als Wärme an das Heizsystem ab. Im Sommer läuft das Prinzip umgekehrt: Die Wärme wird aus dem Gebäude abgezogen und an die Umgebung abgegeben.

Es gibt zwei grundlegend verschiedene Varianten – passive und aktive Kühlung.

Passive Kühlung (Natural Cooling): effizient, aber nur für Erdwärme

Passive Kühlung funktioniert ausschließlich bei Erdwärme- und Grundwasserwärmepumpen. Das Prinzip ist einfach: Das Erdreich hat auch im Hochsommer eine konstante Temperatur von etwa 10–12 °C. Diese Kälte wird über den Sole-Kreislauf direkt ins Heizsystem geleitet – der Verdichter bleibt dabei abgeschaltet.

Das Ergebnis: Die Heizflächen im Haus führen kühles Wasser und geben die Raumwärme an die Soleflüssigkeit ab, die sie ins Erdreich transportiert.

Vorteile der passiven Kühlung:

  • Extrem stromsparend: Nur die Umwälzpumpen laufen (100–200 Watt)
  • Stromkosten im Sommer: ca. 15–30 Euro bei 500 Betriebsstunden
  • Kein erhöhter Verschleiß, da Verdichter nicht läuft
  • Oft ohne Zusatzinvestition nutzbar, wenn Anlage entsprechend geplant wurde

Nachteile:

  • Nur für Erdwärme- oder Grundwasserwärmepumpen
  • Kühlleistung begrenzt (je nach Sole-Auslegung)
  • Nicht für Luft-Wärmepumpen verfügbar

Aktive Kühlung: für Luft-Wärmepumpen und alle modernen Anlagen

Bei der aktiven Kühlung läuft der Kompressor weiter – aber in entgegengesetzter Richtung. Die Wärmepumpe entzieht dem Heizsystem die Wärme und gibt sie über die Außeneinheit an die Außenluft ab.

Fast alle modernen Luft-Wasser-Wärmepumpen unterstützen aktive Kühlung – entweder serienmäßig oder als nachrüstbares Modul. Laut Bundesverband Wärmepumpe verfügen über 80 % der 2025/26 installierten Wärmepumpen über eine Kühloption.

Vorteile:

  • Funktioniert auch bei Luft-Wasser-Wärmepumpen
  • Höhere Kühlleistung als passive Kühlung
  • Regelbar je nach Komfortbedürfnis

Nachteile:

  • Höherer Stromverbrauch als passive Kühlung
  • Wirkungsgrad sinkt im Hochsommer (Außenluft ebenfalls warm)
  • Außeneinheit wird zum „Kühler" und bläst Warmluft nach außen

Vergleich aktive vs. passive Kühlung:

Merkmal Passiv (Natural Cooling) Aktiv (Active Cooling)
Wärmepumpentyp Nur Erdwärme / Grundwasser Alle modernen Typen
Stromverbrauch Sommer 15–30 €/Jahr 100–300 €/Saison
Verdichter läuft Nein Ja
Kühlleistung Begrenzt (je nach Auslegung) Höher, regelbar
Zusatzinvestition Gering (oft inklusive) Gering bis mittel

Was dein Haus braucht: Fußbodenheizung oder Heizkörper?

Das ist die entscheidende Frage. Die Kühlfunktion funktioniert nur, wenn die Heizflächen im Haus dafür geeignet sind.

Fußbodenheizung (ideal): Fußbodenheizungen haben eine große Fläche und übertragen auch bei niedrigen Temperaturunterschieden viel Energie. Im Kühlbetrieb wird kühles Wasser (Vorlauf ~18–20 °C, Rücklauf ~21–23 °C) durch die Rohre geleitet. Die Kühlung geschieht „still" und gleichmäßig. Kühlleistung bis zu 55 W/m² ist möglich, ohne die Oberfläche zu weit abzukühlen.

Heizkörper (eingeschränkt): Heizkörper haben eine deutlich kleinere Fläche. Das grundlegende Problem: Der Temperaturunterschied zwischen dem Kühlwasser und dem Raum ist bei Heizkörpern gering, die Kühlfläche zu klein – die Kühlleistung bleibt minimal. Dazu kommt die Taupunktgefahr: Wird das Wasser zu stark abgekühlt (unter den Taupunkt der Raumluft), kondensiert Luftfeuchtigkeit an der kalten Heizkörperoberfläche. Das führt zu Nässe, im schlimmsten Fall zu Schimmel.

Gute Wärmepumpen haben eine Taupunktüberwachung, die automatisch eingreift. Eine vollwertige Raumkühlung ist mit Heizkörpern aber nicht realistisch.

Wand- oder Deckenheizungen liegen zwischen diesen Extremen und sind bei richtiger Planung für Kühlung geeignet.

Kühlung nachträglich aktivieren

Wer bereits eine Wärmepumpe hat und die Kühlfunktion nutzen möchte:

  • Softwareseitig: Bei vielen neueren Wärmepumpen ist Kühlung im Gerät bereits angelegt, muss aber über die Steuerungsparameter oder ein Fachbetrieb-Update freigeschaltet werden.
  • Hydraulische Umrüstung: Bei älteren Anlagen ist manchmal ein Umschaltventil für den Kühlbetrieb nötig – ein überschaubarer Eingriff (500–1.500 Euro).
  • Fachbetrieb einschalten: Die Aktivierung sollte immer durch einen Fachbetrieb erfolgen, da Taupunktüberwachung, Sollwerte und Betriebsgrenzen korrekt eingestellt werden müssen.

Wie gut kühlt eine Wärmepumpe wirklich – ehrliche Einschätzung

Eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung kühlt ein gut gedämmtes Haus spürbar und komfortabel. Das Raumklima bleibt angenehm, auch wenn draußen 35 °C herrschen.

Sie ist aber keine Klimaanlage: Wer aus einem 30 °C heißen Raum in Minuten auf 22 °C kommen will, ist mit einem Split-Klimagerät besser bedient. Die Stärke der Wärmepumpen-Kühlung liegt im kontinuierlichen Abtransport von Wärme über den Tag – eher wie Temperieren als wie klassische Klimatisierung.

Fazit: Kühlung ist ein echter Mehrwert – wenn das Heizsystem passt

Für Neubauten und für Häuser mit Fußbodenheizung ist die Kühlfunktion einer Wärmepumpe ein echter Pluspunkt ohne großen Mehraufwand. Für Häuser mit Heizkörpern ist sie eingeschränkt nutzbar. Wer bei der Planung auf die Kühloption Wert legt, sollte das im Gespräch mit dem Installateur früh ansprechen – die Auslegung der Anlage beeinflusst, wie gut die Kühlung später funktioniert.

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